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Unterwegs auf den Spuren der Künstler

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‚Am liebsten würde ich die Tour gleich noch mal machen wollen‘. Dieser Gedanke kam mir immer mehr in den Sinn, als sich der achte Tag meiner Wanderungen auf dem Malerweg in der Sächsischen Schweiz dem Ende zuneigte. Denn die wunderschönen Erfahrungen und die Tag für Tag neuen Eindrücke mit den herrlichen Wäldern, den grauen Felsformationen, den plätschernden Bächen und der Freude an der Bewegung während dieser Zeit waren so eindrucksvoll und sinngebend, dass ich immer mehr Wehmut entwickelte, je mehr ich mich den letzten Kilometern entlang der Elbe näherte; am liebsten noch eine Woche dranhängen, was leider zeitlich nicht machbar war.

Aber weshalb spreche ich jetzt hier überhaupt von den ‚Künstlern‘ und warum hat man den Namen ‚Malerweg‘ für diese 120 Kilometer lange Wanderung rund um die Ortschaft Bad Schandau, dem lieblichen Zentrum der Sächsischen Schweiz gewählt? Hierzu muss man wissen, dass die Zahl der Maler, die durch diese faszinierende Landschaft angezogen wurden, sehr lang ist. So war es Johann Alexander Thiele, der bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dazu beigetragen hatte, die Schönheit und Romantik des Elbsandsteingebirges bekannt zu machen. Später war es dann Bernardo Bellotto, der unter seinem Künstlernamen ‚Canaletto‘ in seinen Zeichnungen neben Landschaftsaspekten besonders die Festungen Königstein und Sonnenstein, sowie ‚Den Marktplatz von Pirna“ (1753) festhielt.

Dem Schweizer Maler Adrian Zingg, der unter anderem Ende des 18. Jahrhunderts die ‚Ostrauer Mühle bei Bad Schandau‘ schuf, folgten Franz Stadler (‚Luck-Mühle im Liebethaler Grund‘, um 1800), Capt. Batty E. Goodall (‚Wehltürme überm Wehlgrund, 1825), Adrian Ludwig Richter (‚Schmilkaer Mühle‘) und andere Romantiker, wie Ernst Ferdinand Boehme (‚Blick auf die Sächsische Schweiz‘, 1840). Zum bekanntesten Maler allerdings wurde Caspar David Friedrich, der nicht nur 1823 seine ‚Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge‘ schuf, sondern schon fünf Jahre zuvor eines seiner bekanntesten und ausdrucksprächtigsten Gemälde, seinen ‚Wanderer über dem Nebelmeer‘ entworfen hatte, dessen Felsenvorlage heute noch sehr gut in der Nähe der Ortschaft Schöna zu besichtigen ist. und es sind Anton Graff, Johann Christian Clausen Dahl und Carl Gustav Carus als weitere berühmte Vertreter zu nennen.

Zurück zu mir, denn ich hatte mir in meinem aufkommenden Abschiedsschmerz auf den letzten Kilometern einen kleinen Kompromiss dann doch abringen können. Auf meiner morgigen Heimfahrt würde ich am Liebethaler Grund einen nicht geplanten Zwischenstopp einlegen, meine Wanderschuhe für ein letztes Mal rausholen und noch mal ein Stück auf derjenigen Strecke entlangwandern, auf der ich vor acht Tagen gestartet war und die mich sofort in ihren Bann gezogen hatte. Es müsste ja nicht die ganze erste Etappe sein, aber zumindest die ersten Kilometer noch mal sehen, entlangschlendern in der Beschaulichkeit der verzaubernden grünen Schlucht mit dem kleinen Flüsschen Wesenitz – ja das wäre doch schön. Somit würde meine Wanderung dort enden, wo sie angefangen hatte.

Ein meditativer Abschied auf Raten also, zufrieden und entspannt – und so geschah es dann auch. Und demzufolge konnte ich am Ende meines Urlaubs bezogen auf die Rückkehr zur ersten Etappe, die ja auch gleichzeitig meine letzte für diesen Urlaub sein sollte, verbunden mit einem berührenden Wiedersehen, sagen: ich verabschiede mich dort, wo es angefangen hatte, oder etwas pathetischer und verzaubert ausgedrückt: „Jedem Anfang wohnt ein Ende inne.“

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