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BUCHTIPP: Blackout (Marc Elsberg, 2013)

Man war schon einigermaßen irritiert, als die Bundesregierung im August 2016 plötzlich über die Medien verlautbaren ließ, jeder Haushalt in Deutschland solle sich Wasser und Proviant für mindestens zehn Tage zurücklegen, um auf Gewaltentwicklungen oder großräumige Katastrophenlagen vorbereitet zu sein. Wenn man jetzt dabei nicht unbedingt an einen Krieg, den Ausbruch eines Supervulkanes mit Verdunklung der Erde durch Asche oder terroristische Anschläge denken wollte, dann bleibt eigentlich nur noch ein Szenario offen, wie es in dem hier vorgestellten Buch in Romanform geschrieben ist:

Dieses Buch liest sich ungemein spannend, behandelt es doch ein Schicksal, welches uns morgen bereits auch bevorstehen kann. Deshalb heißt es auch im Untertitel: „Morgen ist es zu spät“. Gemeint ist dabei eine Situation, in der nach und nach in ganz Mitteleuropa die Stromversorgung total zusammenbricht. Nun könnte man meinen, naja, der Strom kommt ja schon wieder. Aber das ist gar nicht so sicher, denn in diesem gut recherchierten Buch erkennt der Leser nach und nach, was alles nicht mehr funktioniert, wenn mal der Strom weg ist und was alles zusammenbricht. Gleich zu Beginn beschreibt das Buch, wie Mailand urplötzlich am späten Abend komplett dunkel ist. Die Menschen sind verwirrt, aber ihnen ist ja klar, dass dieser Stromausfall nur kurz sein kann. Dass zu Hause die Heizungen auch nicht mehr funktionieren und Menschen in Fahrstühlen stecken bleiben, ok. Gleich wird ja der Strom wiederkommen, und das Leben wird weitergehen. Aber der Strom kommt nicht wieder, denn Hacker haben dafür gesorgt, dass es Fehlschaltungen in den Kraftwerken gab, so dass diese sich per unsichtbarem Befehl alle nach und nach abschalteten und auch so schnell nicht mehr hochgefahren werden können.

Allmählich wird es kälter, schließlich ist ja Winter. Die Toilettenspülung reagiert schon nach dem ersten Toilettengang nicht mehr, da ja schließlich die Pumpen in den Wasserwerken ohne Strom auch nicht mehr funktionieren. Tanken? Geht auch nicht mehr. Telefonieren? Ohne Funktion.

Immerhin erfährt der Leser mehr über die Lage, als es den betroffenen Akteuren im Buch möglich ist, denn jegliche drahtlose Kommunikation ist zusammengebrochen – natürlich funktionieren auch Radio und Fernsehen nicht mehr. Und so wissen die Menschen in Italien auch nicht, dass inzwischen auch in Deutschland, Frankreich und Schweden ebenfalls der Strom weg ist. Auch hier haben die Hacker dafür gesorgt, dass sich die Stromkraftwerke abgeschaltet haben. Schon nach zwei Tagen kommt es zu Nahrungsengpässen, da kein LKW mehr fahren kann; irgendwann ist der Tank leer und die Pumpen an den Tankstellen reagieren auch nur, wenn sie Strom haben.

Nun will ich nicht mehr verraten, wie es weitergeht. Aber das Buch vermittelt einen unglaublich plastischen Eindruck, wie stark wir vom Strom abhängen. Bei mir entstand der Gedanke: „Ich muss mir sofort einen Stromgenerator für zu Hause kaufen!“

Der Autor Marc Elsberg traf auf jeden Fall einen Nerv unserer modernen Gesellschaft. Unzählige Energiefirmen luden ihn zu Vorträgen ein. Er war begehrter Gast in Talk-Runden, in denen es um unsere Zukunft ging. Und das Frappierende daran war, dass sich niemand der hochbezahlten Manager auch nur annähernd hatte vorstellen können, wie anfällig der gesamt Stromkreislauf ist. Hoffen wir mal, dass die Konzerne die Gefahr der allgemeinen Internetvernetzungen erkannt und inzwischen  irgendwelche Absicherungen eingebaut haben. Ansonsten stünde zu befürchten, dass wir eines Morgens aufwachen und merken, dass der Ernstfall eingetreten ist. Ob der allerdings am Ende so glimpflich ausgeht, wie es im Buch dargestellt wird, oder ob hier nicht in wenigen Tagen Hunderttausende an Hungertoten zu beklagen sind, ist allerdings fragwürdig.

Ich empfehle dies Buch unbedingt jedem zu lesen, der sich ein wenig über den Tellerrand beugen möchte, anstatt blauäugig in den Tag hineinzuleben. Denn Wissen hat noch niemandem geschadet.

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