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Leserbrief an die AZ:

Zum Thema   „A-39-Befürworter gründen Bürgerinitiative“

 

 

Da habe ich am letzten Samstag beim Lesen der AZ doch sehr gestaunt. Denn dort war von einer Bürgerinitiative Pro A 39 zu lesen und von dessen Gründungsversammlung. „Oho“, habe ich mir gedacht, es gibt also tatsächlich auch Bürger unseres Landkreises, die sich trotz einer erdrückenden Vielzahl an Argumenten gegen diese Autobahn dennoch dafür einsetzen! Bis jetzt waren mir eigentlich beim Durchfahren diverser Ortschaften ständig nur Schilder und Aufkleber aufgefallen, die sich gegen den Bau einer Autobahn durch unseren Kreis aussprachen. Und selbst in zwei TV-Recherchen war eindeutig von fachlicher Seite offengelegt worden, dass sich der Bau weder rechnen noch lohnen wird für die betroffenen Landstriche.

 

Weiter im AZ-Text habe ich dann richtig gestaunt. Denn da tauchten in diesem Zusammenhang Namen auf, die mir allesamt bekannt waren. Für diese sogenannte Bürgerinitiative fungierten für den Vorstand weitestgehend Politiker! So findet man zum Beispiel die Herrn Bürgermeister Lukat und seinen Stellvertreter Teppe , den Chef der CDU Höfer usw. Also nette Leute, aber ehrlich gesagt: So etwas als Bürgerinitiative zu beizeichnen wäre mir als Beteiligtem höchst peinlich – verdreht es doch den Grundgedanken einer Bürgerinitiative völlig.

 

Nun sollte keiner denken, ich wäre gegen den Bau; nein, ganz im Gegenteil. Die Argumente aus meiner Sicht sprechen absolut dafür; komme ich doch zukünftig viel schneller per Auto nach Hamburg, um dort einzukaufen, ein Musical zu besuchen oder mir Sportveranstaltungen anzuschauen. Als Alternative stünde auch noch Lüneburg zur Verfügung – zum Bummeln, Essen gehen ebenfalls recht reizvoll. Ich käme überall dorthin, wohin ich kommen möchte, viel schneller hin. Und ich könnte beruhigter fahren als auf der B4 ständig darauf acht zu geben, ob nicht gleich wieder ein Starenkasten das Einhalten meiner Geschwindigkeit einfordert. Und mein Blutdruck würde bei oftmals riskanten Überholmanövern von LKW-Kolonnen auch nicht mehr so in die Höhe gehen wie auf der Landstraße. Und wo ich anscheinend auch ganz gelassen sein kann: wir werden vermutlich im südlichen Bereich von Uelzen neben der bestehenden Kreisstraße, der neugebauten Umgehungsstraße und der neu aktivierten Bahnstrecke Uelzen-Berlin höchstwahrscheinlich von weitern Negativauswirkungen des Verkehrs verschont bleiben. Freuen werden sich natürlich auch die internationalen Speditionen, global fungierenden Betriebe und Handelsketten, denn sie könnten dann ihre Waren noch bequemer von weiter weg nach Uelzen transportieren; wodurch auf jeden neuen ausländischen LKW dann weitere 6 bis 8 Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen. (Hoffentlich könnte zumindest unsere Zuckerfabrik noch überleben – denn auch hier wird es ja schon bald einen neuen Preiskampf geben …)

 

Alles zusammengenommen spricht also eine Menge für den Bau der Autobahn. Und die Argumente, wie Umwelt- oder Bewohnerschutz können wir ruhig vernachlässigen. Denn der Wald stirbt sowieso (inzwischen ist nur noch zirka ein Viertel der Bäume überhaupt noch gesund) und die meisten Menschen leben doch eh schon in Wohngebieten weitab von Lärm und Verkehr. Oder? Oder sollte ich mich da getäuscht haben. Fragen wir doch mal die betreffenden Herrschaften, die sich so aktiv in der Bürgerinitiative einbringen. Und vergessen wir bei diesem Thema nicht die beiden Uelzer Bundestagsabgeordneten, die weitsichtig genug bei ihrer Wohnungswahl waren und heute vehement ebenfalls für den Bau einer Autobahn kämpfen. Wohnt irgendeiner von diesen Herrschaften in dem sogenannten Plankorridor für die Autobahn?

 

Ich habe mal während meiner Uni-Zeit den Spruch gehört: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt. Ich befürchte, wir müssen dringend anfangen, dafür zu kämpfen, dass nicht immer alles das richtig ist, was Politiker uns fast gebetsmühlenartig immer aufs Neue vortragen, sondern müssen lernen, uns selbst zu informieren, um dann selbstbewusster zu handeln – und zwar so, dass wir letztlich unseren Kindern nicht eine globale Ruine hinterlassen.

 

 

Eckart Warnecke

 

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