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Altersarmut – Was den jüngeren Generationen bevorsteht

Im September 2016 war in der Presse etwas über die bedrohlich zunehmende Altersarmut zu erfahren. Man liest, dass die Renten in Deutschland bis 2030 dramatisch fallen werden. In diesem Zusammenhang wird davon gesprochen, dass ein Angestellter in Deutschland zur Zeit etwa 3000 Euro brutto verdienen würde; und hierauf berechnet würden einem statt heute 48 Prozent in 15 Jahren  nur noch 43,5 Prozent als Rente zustehen. Und dieses würde dann heißen, dass man dann bereits als „arm“ gelten würde.

Nun frage ich mich etwas verblüfft: bei knapp über 3000 Euro im Monat soll der durchschnittliche Verdienst der in Deutschland arbeitenden 42 Millionen Arbeitnehmer liegen? Da wundere ich mich schon sehr, denn ich muss gestehen, dass ich mich über die letzten Jahre gesehen nur an einen einzigen von vielleicht 350 Patienten erinnern kann, der überhaupt mit seinem Bruttoverdienst an die 3000er-Marke heranreichte. Nun lässt sich fragen, kommen nur Menschen, die weniger verdienen, in eine psychologische Praxis oder ist etwas an der Statistik falsch? Für mich ist die Antwort mehr oder weniger klar: ich habe das Gefühl, dass wir den Statistiken, die der Öffentlichkeit präsentiert werden, mit höchster Vorsicht begegnen sollten. Denn nicht selten wird damit eine Art „Politik“ betrieben.

Aber gehen wir mal von dem positiven Aspekt aus, dass die Zahl als solche wirklich zutreffen würde, was hieße das? Das hieße, dass man nach 47 Arbeitsjahren, bei einem Bruttoverdienst von 3000 Euro im Monat und einem Einstieg ins Rentenalter 2030 dann etwa 1305 Euro als Rente hätte. Nun könnte man sagen: „Ist ja gar nicht mal so schlecht.“ Allerdings ist dann auch noch die Frage erlaubt: habe ich denn wirklich versicherungspflichtig die ganze Zeit über für 3000 Euro pro Monat gearbeitet und Abgaben entrichtet oder gibt es da noch Abzüge? Und wie viel geht von meinen 1305 Euro Rente noch weg, da ich das Geld ja versteuern muss? Und wie viel bekomme ich wirklich, da ich vielleicht nicht bis zum Alter von 67 Jahren durchhalte? Daraus liest sich jetzt erst mal ab, dass es selbst für diejenigen, die im Schnitt pro Monat 3000 Euro verdienen, durch den Eintritt ins Rentenalter äußerst knapp werden wird. Oder anders ausgedrückt: selbst diejenigen, die heute noch relativ gut verdienen, werden später keine sonderlich großen Sprünge machen können.

Nun kommen wir zur negativen Seite, dass nämlich die Angaben des propagierten Durchschnittsverdienstes gar nicht den realen Gegebenheiten entsprechen. Ich weiß, dass eine Vielzahl der Arbeitnehmer lediglich zwischen 1600 und 2500 Euro brutto verdient; das heißt, diese kommen nicht mal annähernd an den veröffentlichten Durchschnittsverdienst von 3000 Euro heran. Berechnet man jetzt mal für diese Berufsgruppe das zukünftige Renteneinkommen, so liegt das zwischen 696 Euro (bei 1600 Euro brutto) und 1087 Euro (bei 2600 Euro brutto). Man traut sich kaum auszumalen, was dies für den Standort Deutschland bedeuten wird und was dann passieren wird. Wohnungen sind schwer zu finanzieren, ganz abgesehen davon, dass natürlich auch kaum noch Geld vorhanden sein wird, um sich irgendwelche Konsumgüter zu leisten – und ein neues Auto wird schon gar nicht mehr drin sein.

Und wenn man die gleiche Berechnung für Menschen anstellt, die 40 Stunden pro Woche für den durch unsere Arbeitsministerin so gepriesenen Mindestlohn von 8,50 Euro arbeiten, dann setzt ein richtiger Schock ein: denn für deren 1360 Euro brutto bekämen sie am Ende den lächerlichen Betrag von knapp 600 Euro als Rente.

Würde man den Menschen nun ab 67 Jahre ein würdiges Rentnerdasein garantieren wollen, dann müsste man von woanders her Geld in den Rententopf dazu packen. Das hieße, den jüngeren Arbeitnehmern, die sowieso schon im Schnitt hier in Deutschland weniger verdienen als frühere Generationen, noch mehr Geld für die sogenannten Sozialbeiträge abzuziehen. Wenn … ja, wenn alles so bliebe wie bisher.

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