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Abitur – Die Sieger werden gefeiert, die Verlierer sieht man nicht

Ein paar nachdenkliche Gedanken kommen mir immer wieder, wenn ich in Zeitungen oder Fernsehen Bilder und Darstellungen von jungen Menschen zu sehen bekomme, die völlig ausgelassen das Erlangen ihres Abiturs feierten. Bilder voller glücklicher Gesichter, klatschender Hände, tanzender Menschen – alle sozusagen „ total happy.“  Es wird berichtet über eine sehr schön inszenierte und selbst gestaltete Feier, von interessanten Ideen und großer Professionalität.

Aber was machen eigentlich diejenigen, die es nicht geschafft haben? Was wird aus den Verlierern? Oder zumindest aus denjenigen, denen der Schulweg nicht so leicht fiel und sie sich wegen schlechterer Noten nicht so wie Sieger fühlen?

Mir fällt einer meiner früheren Mitschüler ein. Er schaffte das Abi nicht wegen eines Viertelpunktes. Er musste in ein riesiges Loch gesackt sein, was ich damals so gar nicht gemerkt hatte, er ging dann vier Jahre zur Bundeswehr, verrichtete seinen Dienst über Jahre in einer Radarstation und starb mit 32 Jahren an Hodenkrebs. Das ist zwar schon lange her – die Grundproblematik bleibt aktuell: „Was wird aus den Verlierern?“

In unserer Gesellschaft will man Sieger sehen. In der Medienwelt erscheinen die Photos von Kindern, deren Zeugnis aus lauter Einsen bestehen, es finden sich Meldungen über den Ersten eines Radrennens oder die ersten Drei eines Schülerwettkampfes. Über Politiker, die ihre Ideen durchsetzen wird geschrieben. Erhaben Lächelnde – Schauspieler, Stars, Sänger etc.  Kaum jemand ist interessiert an den Verlierern.

Man zählt die Abiturienten eines Jahrganges – wie viele hätten es aber wirklich sein können, wie viele haben es auf dem langen Weg bis zur 12ten/13ten Klasse nicht geschafft, sind gescheitert, gestrauchelt oder erkrankt und ins Abseits geraten. Ähnlich wie in der Reportage über das Thema Hartz IV vor einiger Zeit würde ich es schön finden, wenn man sich öfters in der Öffentlichkeit auch mal um diejenigen kümmern würde, denen es nicht so gut geht. Nicht jeder kann Deutschlands nächstes Topmodell, nicht jeder ein Einstein werden. Aber wir haben viele Millionen Menschen, die es genauso wert sind, dass man deren Leistungen und Bemühungen anerkennt, auch wenn sie nicht unbedingt in der ersten oder zweiten Reihe stehen.

Ist eine Reinemacherfrau weniger Wert als der Bildungsminister? Ich finde – nicht!

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